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Kinder im Verkehr

Mütter und Väter, zumindest die meisten, lieben ihre Kinder, sie würden geradezu alles für sie tun. Gerade bei den Kleinen zwischen 0 und sagen wir mal 10 Jahren ist der Beschützerinstinkt der Eltern häufig extrem ausgeprägt. Ich denke praktisch alle Eltern kennen das flaue Gefühl, wenn ihre Kleine oder Ihr Kleiner sich das erste Mal alleine in einem Klettergerüst ganz nach oben traut. Da fällt es vielen schwer, die Kleinen nicht runterzurufen, oder zur Vorsicht zu ermahnen oder vielleicht als Sicherung mit hoch zu klettern.

Doch dieses Behüten beschränkt sich keineswegs auf diese „Extremsituationen“, sondern berührt eigentlich alle Lebenswelten des Kindes. Es wird zum Kindergarten, zur Schule gebracht, später am Nachmittag zu den Musikschul- oder Sportstunden oder zu den Freunden gefahren. Solche „Helikoptereltern“ lassen ihre Kinder ungern alleine und versuchen sie auf allen Wegen zu beschützen.

Den größtmöglichen Schutz für das Kind bietet dabei natürlich das Auto. Gesichert per Gurt und Kindersitz wird das Kind in der Familienkutsche durch seinen Stadtteil oder sein Dorf von links nach rechts kutschiert. Das ist natürlich purer Stress für die Mütter (natürlich auch manche Väter) , denen das natürlich auch schon mal anzusehen ist. Schau ruhig mal in diese Wagen und schau dir die Mutter am Steuer und Kind dahinter an, der Wagen häufig noch mit einem halb-ironischen „Mama-Taxi“-Aufkleber  beklebt.

Die Krönung des Stresses ist natürlich der frühe Morgen, wenn die lieben Kleinen zur Schule gefahren werden. Man kämpft sich durch den Berufspendlerverkehr, findet vor der Schule keinen Parkplatz, schließlich sind vor der Schule ja noch genug andere Eltern, die ihre Kleinen wegbringen wollen. Man kurvt vor und zurück, dreht, kommt mit den Rädern schon mal auf den Bürgersteig.

Und dann gibt es sogar noch Kinder, die tatsächlich zu Fuß zur Schule gehen wollen und sich leider sich noch gar nicht wie routinierte Verkehrsteilnehmer bewegen. Die Kinder stehen dann schon mal am Bürgersteig und die Autofahrer wissen nicht, gehen sie nun, oder gehen sie nicht. Da gibt man als Autofahrer Handzeichen, um die Kleinen rüberzulassen, aber die reagieren einfach nicht und bleiben stehen. Dann fährt man los und genau in dem Moment setzt sich der Kindertross in Bewegung, um die Straße zu überqueren. Nein, in diesen morgendlichen Wahnsinn kann man sein Kind wohl kaum guten Gewissens hineinlassen, also lieber mit dem Auto bringen.

Natürlich gibt es auch Erwachsene, die das anders sehen und in den Elternkutschen das eigentliche Problem erkennen. Manche Schulen oder Kindergärten mahnen auch immer wieder eindringlich, diese Praxis, Kinder mit dem Auto vor zu fahren, sein zu lassen, doch leider fruchtet das häufig wenig, was ein deutliches Zeichen für die Autohörigkeit unserer Gesellschaft ist. Obwohl doch offensichtlich die schwächsten Teilnehmer am Straßenverkehr – kleine Kinder – erheblich gefährdet werden, lassen wir es zu, dass sie jeden Tag um ihr Leben laufen.

Sinnvoll wäre hier eine gesellschaftliche Ächtung und das würde in dem doch eher privaten und vertrauten Umfeld von Kindergärten und Schulen eigentlich gut funktionieren. Wäre die Elternschaft in der Mehrheit der Meinung, dass das Bringen mit dem Auto asozial ist, hätte sich dieses Problem schnell erledigt.

Falls sie dies tun wollen, empfehlen ich ihnen aber damit vorsichtig anzufangen, denn ansonsten sind sie wohl erst mal der Ökospinner und raus aus der Gruppe. Solche Prozesse entwickeln sich eher evolutionär, aber man sollte damit anfangen.

Oder nicht?

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