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Die guten Ks der aktiven Bewegung

Nachdem ich das letzte Mal, die bösen Ds der passiven Bewegung dran hatte, komme ich nun zu den guten Ks der aktiven Bewegung.

Anständige Bewegung macht knackig, kreativ und klug.

Beginnen wir mit knackig:

Da brauchen wir, glaube ich gar nicht so weit ausholen, das dürfte jedem klar sein. Fangen wir bei den Leuten an, die sich wirklich bewegen: Triathleten. Dafür muss es gar nicht die Ironman-Distanz sein, die für normale Menschen sicherlich jenseits jeder Fortbewegungsrealität ist: 3,5 km (auf Hawai in offenem Wasser), 180 km Radfahren (nicht im Windschatten), 42 km Laufen (Marathon!) Die besten kommen dabei nach etwa 8 Stunden rein, die letzten nach ca. 20 Stunden, nachdem sie dann 1,5 Stunden geschwommen und jeweils etwa 6-8 Stunden Fahrrad gefahren und gelaufen sind.

Diese Extremsportler sehen natürlich entsprechend knackig und weitgehend frei von überflüssigen Fetten aus, wobei sie diese Figur nicht im Wettkampf gewinnen. Der wirkliche Sport wird nämlich in der Vorbereitung betrieben. Eine knappe 40 Stundenwoche Sport sollte dabei drin sein.

Aber natürlich muss man gar nicht so weit gehen, um durch Bewegung knackig zu werden. Wenn man nicht gleichzeitig zu viel isst, reichen schon 3-4 mal die Woche ordentlicher Sport, um deutlich abzunehmen und an Muskeln, die ja als eigentliche Fettverbrenner gelten, zuzulegen. Ja, es gibt sogar Untersuchungen die zeigen, dass allein der regelmäßige Sprint zum Bus zur allgemeinen Fitness beitragen kann.

Natürlich kann man auch Sport im Fitnesstudio machen und dagegen ist prinzipiell auch gar nichts einzuwenden. Keine Gefahr des Regens, nie zu kalt oder zu rutschige Untergründe, dazu nette, oft gut aussehende Mitmenschen, was motivierend sein soll und die Möglichkeit, nachher zu duschen oder vielleicht sogar in eine Sauna zu gehen, was wiederum eine kleine Belohnung für vorherige Strapazen sein kann.

Wo drüber ich mich allerdings in meinem Studio immer gewundert habe, und ich glaube,  dass es kein außergewöhnliches Studio war, war die Anzahl Autos, die immer davor parkten. In den klassischen Stoßzeiten des Fitnessstudios zwischen 18.00 und 21.00 Uhr war die gesamte Parkfläche voll gestellt und auch in der Straße davor war kein Platz mehr frei, so dass nicht wenige der Fitnessbegeisterten mit ihren schicken Stadtwagen häufig erst ein paar Kurven um den Block fahren durften, bevor sie einen Parkplatz fanden. Kaum raus aus dem Auto, musste man sich dann schwer beeilen, um noch einen freien Sattel auf einem der Spinningfahrräder zu bekommen. Und los geht’s – eine Stunde voll auspowern, mental über Berge, runter in Täler, angefeuert vom Trainer und dynamischer Musik. Wer es schon mal ordentlich gemacht hat, weiß, dass man danach fix und fertig ist, so dass die meisten dann auch nur noch schnell unter die Dusche springen, danach das Auto wieder finden und ab nach Hause.

Auf eine sehr wirksame Effektivitätssteigerung des gesamten Fitnesstainings scheint allerdings keiner oder nur sehr wenige gekommen zu sein. Die Anreise zu Fuß oder mit dem Fahrrad! Klar werden nicht wenige den Besuch des Fitnessstudios in ihren berufsbedingten Pendelverkehr einbauen, aber alle?

Nehmen wir an, die Strecke von zu Hause bis zum Studio beträgt 5 km. Dafür benötigt man mit dem Auto in der Stadt und inklusive Parkplatzsuche jeweils 15 Minuten, für die Fahrt mit dem Fahrrad kann man bei ganz entspannter Fahrt vielleicht jeweils 20 Minuten rechnen. Das sind schon wieder ca. 400 Kcal mehr verbrannte Kalorien. Und bei der Rückfahrt vom Studio nach Hause sind es vor allem die Fettreserven, die angegriffen werden. Probier es aus: Du wirst es eindrucksvoll bemerken. Fährst du mit dem Fahrrad zu einem Fitnessstudio (20 min – 150 kcal), dort machst du z.B. 30 Minuten Krafttraining (200 Kcal), anschließend 60 Min Laufbandtraining) und wenn du dann wieder mit dem Fahrrad durch Wind und Wetter nach Hause fährst, wirst du deinen Körper wirklich spüren und merken wie das Fett weggenagt wird.

In diesem Sinne erkennst du ein gutes Studio daran, dass es über keine oder nur wenige Parkplätze verfügt – vielleicht aber an eine U-Bahn-Station angeschlossen ist, damit du noch die Gelegenheit zu einem kleinen Abschlusssprint hast.

Anständig bewegen macht kreativ:

Natürlich ist es ein Privileg einiger weniger, sich bei einer Denkblockade mal eben die Laufschuhe anziehen zu können, und dann loszulaufen, aber es hilft. Man verlässt den Schreibetisch und lässt damit schon räumlich das bisherige Problem hinter sich.

Wenn es raus geht, fühlt man die frische Luft, blickt weiter als bis zur Bürowand, sondern vielleicht über Felder oder Flüsse, man kann den Blick schweifen lassen, nimmt neue Informationen auf, die ganz unbewusst mit der zu lösenden Aufgabe verknüpft werden und so vielleicht neue Lösungsansätze bieten. Man nimmt Gerüche auf und wahr, die stimulieren. Man hört – hoffentlich nicht nur Mortorengeräusche – sondern vielleicht auch Kinderlachen oder Vogelgezwischter.

Durch das Laufen oder Rad fahren wird der Körper jedoch auch beansprucht. Die Beinmuskeln rufen nach Sauerstoff, der generell und vor allem bei Büroarbeit im Gehirn gebraucht wird. Beim Sport wird er nun zumindest teilweise davon abgezogen. Aber warum sollte das kreativ machen? Der Sauerstoffbedarf, und damit die Gehirnaktivität, wird vor allem dort abgezogen, wo er für das Laufen weniger gebraucht. Während die Gehirnaktivität im motorischen Cortex noch benötigt wird, wird sie im frontalen Bereich deutlich heruntergefahren. Dieser frontale Cortex ist vor allem für Kontroll- und Entscheidungsprozesse verantwortlich und hat häufig eine hemmende Funktion.

Für Kreativität kann eine solche Abschaltung der Hemmprozesse jedoch von erheblichem Wert sein, denn sie ermöglicht eine Art Reset. Das Gehirn löst sich von dem häufig durchgreifenden „wir machen es so, weil wir es schon immer so gemacht haben“ und fängt noch mal bei Null an.

Wenn ich einen längeren Dauerlauf mache, kann ich immer verschiedene Stadien des Laufens durchleben. Zunächst das angestrengte Loslaufen, der für mich und ich glaube auch viele andere unangenehmste Teil des Laufs, bei dem der Körper einem signalisiert, dass er nicht will und den es zu überstehen gilt. Es etwas langsamer anzugehen, kann dabei helfen dieses Einlaufen, das gerne 1-2 Kilometer andauern kann, erträglicher zu gestalten. Dann folgt der angenehmste Teil: man kommt in einen Flow, in dem man teilweise gar nicht mehr merkt, was man merkt. Wenn man Glück hat, fallen einem in diesem Zustand die besten Ergebnisse quasi in das entspannte Laufhirn. Denn unbewusst arbeitet das Gehirn, wenn auch auf kleinerer Flamme an dem Problem. Man kann in diesem aktiven Flowzustand, aber auch den kreativen Prozesse versuchen zu forcieren.

Die letzte Phase fällt glücklicherweise weg, wenn man in seiner Wohlfühldistanz und im Wohlfühltempo läuft. Ansonsten muss man noch in den unangenehmen dritten Durchbeißteil, in dem man dann nur noch auf den leider viel zu selten eintreffenden Euphoriezustand hoffen kann.

Anständige Bewegung macht klug:

Leute, die sich anständig bewegen sind die klügeren Menschen.

Das sieht man zum einen natürlich schon daran, dass sie sich anständig bewegen und nicht passiv vom Auto oder Flugzeug.

Läufer und Radfahrer haben im Vergleich zu wenig aktiven Übergewichtigen aber auch eine deutlich verbesserte Gehirndurchblutung und einen höheren Intelligenz-Quotienten.

Du hast Zweifel, ob das wirklich stimmt? Dann bist du wohl nicht so schlau.

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