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Letztens im Kino (2)

Ich war vorher anständig mit einem Mietrad durch die Stadt gefahren und saß nun zeitig in meinem Kinosessel und freute mich auf den Film („Ziemlich beste Freunde“). Doch leider hielt diese Freude nicht lange an.

Als erstes drückte sich ein dicklicher, schwitzender Mann in einem etwas abgetragenen grauen Anzug an mir vorbei und setzte sich, obwohl noch viele Plätze in der Reihe frei waren, direkt neben mich. Seine Leibesmitte war so gewaltig, dass er seine Beine breit auseinanderstellen musste, so dass sie an meine Knie stießen. Wie selbstverständlich nahm er die Armlehne in Beschlag. Sein Gewicht bereitete offensichtlich seinem Kreislauf Probleme, denn er schnaubte unablässig vor sich hin. Doch weit unangenehmer war der säuerlich-muffige Geruch, der von ihm ausging.

Am liebsten hätte ich mich umgesetzt, aber irgendwie erschien es mir  unhöflich und eine Form von Beleidigung. Außerdem wollte ich meinen Platz nicht einfach hergeben; schließlich war ich zuerst da. Also blieb ich noch sitzen, als sich auf meine andere Seite zwei Frauen setzten, die, wie ich zunächst freudig registrierte, genau das Gegenteil des Herrn zu meiner Rechten präsentierten: jung, bildhübsch, modern großstädtisch gekleidet, ihre T-Shirts in frühlingshaften Grün- und Orangetönen waren tief ausgeschnitten und ihre Röcke kurz. Doch die Freude hielt nicht lange an. Zum einen würdigten mich die beiden Mädels keines Blickes und zum anderen waren sie in bester Stimmung und plauderten in einer Lautstärke miteinander, die eher in ein Café als in ein Kino gepasst hätte. Ich sagte nichts, denn der Hauptfilm hatte ja noch nicht begonnen und wenigstens übertönte ihr Geplapper das Schnauben des Dicken.

Als gerade der Film starten wollte, kam dann die Krönung. Zwei Kerle, groß und breit wie Dirk Nowitzki, setzten sich genau in die Reihe vor mir. Ich sah nix mehr – zumindest nicht von der Leinwand.

Sie können sich diese Szene bestimmt vorstellen, Aspekte davon haben sie bestimmt auch schon erlebt. Da die direkte Sicht versperrt ist, müsste man den Kopf weit nach rechts oder links recken, damit man überhaupt was sehen könnte. Nach rechts zum Dicken will man nicht, weil da kein Platz ist und es da riecht. Nach links zu den Mädles kann man nicht, weil es da laut ist und man unter Umständen noch als „Lauscher“ oder schlimmer noch als „Spanner“ gelten würde. Ich sage nur: eine mehr als unangenehme Situation.

Was sollte ich tun? Das Kino war fast voll. Ich konnte rausgehen, aber schließlich hatte ich ja bezahlt und ob ich das Eintrittsgeld an der Kasse zurückbekommen würde, war ja wohl fraglich. Oder ich konnte mich nach vorne in die erste Reihe setzen und mir den Kopf verrenken. Auch keine wirklich angenehme Option.

 

Aber wissen Sie was? Ich ärgerte mich kaum. Schließlich kenne ich diese Situation ja zur Genüge.

Genau das ist Radfahren in der Stadt!

Dicke, stinkende, lärmende, Sicht nehmende Autos drücken dich als Radfahrer an die Seite. Alte Diesel verpesten die Luft. Aus bunten Mini-Cabrios und 1er BMWs schallen den Unmotorisierten mal die neusten Disco-Hits, mal die angesagtesten Raps entgegen. Laster, Busse und Kleintransporter nehmen den Radfahrern die Sicht und die Vorfahrt. Und alle zusammen tun sie, als gäbe es den Radfahrer praktisch gar nicht. Haarscharf fahren PKWs  und LKWs vorbei, überholen, um sich dann direkt vor dem Radfahrer einzufädeln und ihm die Chance zu nehmen, sich beim nächsten Stopp vorbeizuschlängen. Autotüren werden ohne Rücksicht aufgerissen  und verlangen vom Radfahrer blitzschnelle Reaktionen und eine gute Radbeherrschung, um nicht über die Tür abzuheben.

Da hilft nichts: Man muss sich als Radfahrer ein wenig breiter machen, in die Mitte fahren und wenn die Autos einen links überholen, wenn sie meinen, sie wären schneller, darf ich als Radfahrer das an entsprechender Stelle doch wohl auch.

Das habe ich dann im Kino auch gemacht: Ich habe mich an den beiden Mädels vorbeigedrückt, ihnen dabei noch ein „Ich wollte eigentlich gar nicht so genau wissen, was ihr die letzten Tage getrieben habt“ zugeflüstert, mich dann neben einen der beiden Nowitzkis gesetzt und mir seine Armlehne erobert. Geht doch.

 

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