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Kluge Köpfe fahren Fahrrad

Ich will ja gar nicht sagen, dass Fahrradfahrer die besseren Menschen sind oder die klügeren oder die verantwortlicheren oder die grüneren oder die sportlicheren oder whatever.

Was aber auffällt, dass vielen schlauen oder zumindest erfolgreichen oder bekannten Menschen ziemlich Treffendes zum Thema Radfahren eingefallen ist. Hier eine nicht sortierte und natürlich unvollständige TopTen von Zitaten zum Radfahren.

  1. „Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden wie beim Fahrrad.“ (Adam Opel)
  2. „Fahrradfahren ist für mich wie ein kleiner Urlaub.“ (Wigald Boning)
  3. „Computers are like bicycles for our minds.“ (Steve Jobs)
  4. „Radfahren kommt dem Flug der Vögel am nächsten.“ (Louis J. Halle)
  5. „Life is like riding a bicycle. To keep your balance, you must keep riding.“ (Albert Einstein)
  6. „Lassen Sie mich erzählen, was ich vom Radfahren halte. Ich denke, es hat für die Emanzipation der Frau mehr getan als irgendetwas anderes auf dieser Welt.“  (Susan B. Anthony)
  7. „Radfahren ist Meditation in Bewegung.“ (Bert van Radau 😉
  8. „Zeigen Sie mir ein Problem dieser Welt und ich gebe Ihnen das Fahrrad als Teil der Lösung. (Mike Sinyard)
  9. „Jedes Mal, wenn ich einen Erwachsenen auf einem Fahrrad sehe, zweifel ich nicht mehr an der Zukunft der Menschheit. “ (H.G. Wells)
  10. „Nothing compares to the simple pleasure of riding a bike.“ (John F. Kennedy)

Besten Dank an alle Twitterer und Freunde, die mich direkt oder indirekt auf Zitate gestoßen haben, die hoffentlich alle einigermaßen richtig zitiert sind.

Absolut faszinierend, welch unterschiedliche Köpfe sich Gedanken zum Radfahren gemacht haben und welchen fast magischen Zauber sie der Bewegung auf dem Fahrrad zuschreiben. Wie ich finde mit Recht.

Es lebe die  anständige Bewegung. VELORUZZER!

PS: Natürlich habe ich nicht alle (auch mir bekannten) Zitate aufgelistet. Was ist euer Lieblingszitat? Was sind für euch Zitate, die in einer TopTen pro Fahrrad auf keinen Fall fehlen dürfen?

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Letztens im Kino (2)

Ich war vorher anständig mit einem Mietrad durch die Stadt gefahren und saß nun zeitig in meinem Kinosessel und freute mich auf den Film („Ziemlich beste Freunde“). Doch leider hielt diese Freude nicht lange an.

Als erstes drückte sich ein dicklicher, schwitzender Mann in einem etwas abgetragenen grauen Anzug an mir vorbei und setzte sich, obwohl noch viele Plätze in der Reihe frei waren, direkt neben mich. Seine Leibesmitte war so gewaltig, dass er seine Beine breit auseinanderstellen musste, so dass sie an meine Knie stießen. Wie selbstverständlich nahm er die Armlehne in Beschlag. Sein Gewicht bereitete offensichtlich seinem Kreislauf Probleme, denn er schnaubte unablässig vor sich hin. Doch weit unangenehmer war der säuerlich-muffige Geruch, der von ihm ausging.

Am liebsten hätte ich mich umgesetzt, aber irgendwie erschien es mir  unhöflich und eine Form von Beleidigung. Außerdem wollte ich meinen Platz nicht einfach hergeben; schließlich war ich zuerst da. Also blieb ich noch sitzen, als sich auf meine andere Seite zwei Frauen setzten, die, wie ich zunächst freudig registrierte, genau das Gegenteil des Herrn zu meiner Rechten präsentierten: jung, bildhübsch, modern großstädtisch gekleidet, ihre T-Shirts in frühlingshaften Grün- und Orangetönen waren tief ausgeschnitten und ihre Röcke kurz. Doch die Freude hielt nicht lange an. Zum einen würdigten mich die beiden Mädels keines Blickes und zum anderen waren sie in bester Stimmung und plauderten in einer Lautstärke miteinander, die eher in ein Café als in ein Kino gepasst hätte. Ich sagte nichts, denn der Hauptfilm hatte ja noch nicht begonnen und wenigstens übertönte ihr Geplapper das Schnauben des Dicken.

Als gerade der Film starten wollte, kam dann die Krönung. Zwei Kerle, groß und breit wie Dirk Nowitzki, setzten sich genau in die Reihe vor mir. Ich sah nix mehr – zumindest nicht von der Leinwand.

Sie können sich diese Szene bestimmt vorstellen, Aspekte davon haben sie bestimmt auch schon erlebt. Da die direkte Sicht versperrt ist, müsste man den Kopf weit nach rechts oder links recken, damit man überhaupt was sehen könnte. Nach rechts zum Dicken will man nicht, weil da kein Platz ist und es da riecht. Nach links zu den Mädles kann man nicht, weil es da laut ist und man unter Umständen noch als „Lauscher“ oder schlimmer noch als „Spanner“ gelten würde. Ich sage nur: eine mehr als unangenehme Situation.

Was sollte ich tun? Das Kino war fast voll. Ich konnte rausgehen, aber schließlich hatte ich ja bezahlt und ob ich das Eintrittsgeld an der Kasse zurückbekommen würde, war ja wohl fraglich. Oder ich konnte mich nach vorne in die erste Reihe setzen und mir den Kopf verrenken. Auch keine wirklich angenehme Option.

 

Aber wissen Sie was? Ich ärgerte mich kaum. Schließlich kenne ich diese Situation ja zur Genüge.

Genau das ist Radfahren in der Stadt!

Dicke, stinkende, lärmende, Sicht nehmende Autos drücken dich als Radfahrer an die Seite. Alte Diesel verpesten die Luft. Aus bunten Mini-Cabrios und 1er BMWs schallen den Unmotorisierten mal die neusten Disco-Hits, mal die angesagtesten Raps entgegen. Laster, Busse und Kleintransporter nehmen den Radfahrern die Sicht und die Vorfahrt. Und alle zusammen tun sie, als gäbe es den Radfahrer praktisch gar nicht. Haarscharf fahren PKWs  und LKWs vorbei, überholen, um sich dann direkt vor dem Radfahrer einzufädeln und ihm die Chance zu nehmen, sich beim nächsten Stopp vorbeizuschlängen. Autotüren werden ohne Rücksicht aufgerissen  und verlangen vom Radfahrer blitzschnelle Reaktionen und eine gute Radbeherrschung, um nicht über die Tür abzuheben.

Da hilft nichts: Man muss sich als Radfahrer ein wenig breiter machen, in die Mitte fahren und wenn die Autos einen links überholen, wenn sie meinen, sie wären schneller, darf ich als Radfahrer das an entsprechender Stelle doch wohl auch.

Das habe ich dann im Kino auch gemacht: Ich habe mich an den beiden Mädels vorbeigedrückt, ihnen dabei noch ein „Ich wollte eigentlich gar nicht so genau wissen, was ihr die letzten Tage getrieben habt“ zugeflüstert, mich dann neben einen der beiden Nowitzkis gesetzt und mir seine Armlehne erobert. Geht doch.

 

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Radeln im Winter

Radfahren im Winter ist für viele Leute unvorstellbar. Schließlich denken sie bei Radler auch eher an Sommer, an Hitze, an einen kühlen erfrischendens Limo-Bier-Mix. Radler und Winter passt nicht richtig. Beißer und Winter schon eher.

Dabei kann man Radfahren auch im Winter genießen – ja und damit meine ich den wirklichen Winter, den wir hatten – mit minus 20 Grad und zugefrorenen Seen und eisigem Wind und Schnee und allem, was den Winter zum Winter macht…

Alles eine Frage der Einstellung. Es zählt ja „nur in deinem Kopf“. Okay, die schmerzenden, kalt gefrorenen Hände können einen schon einmal daran erinnern, dass der Mensch mehr als nur sein Hirn ist …. oder einfach daran, beim Radfahren die Handschuhe anzuziehen.

Aber es gibt verdammt gute Gründe für Radfahren im Winter:

  • Schneeflocken mit dem Mund fangen
  • Endlich kann man mal übers Wasser abkürzen
  • Dampfende Lokomotive spielen
  • Arktische Grenzerfahrungen ohne Reise zum Nordpol genießen
  • Man muss nicht warten, bis die Heizung warm wird.
  • Ein Beißer muss tun, was ein Beißer tun muss.
  • Endlich macht es mal Sinn, die Handschuhe anzuziehen.
  • Man kann zur Seite schneuzen, ohne andere Buspendler oder Fahrradfahrer zu treffen.
  • Manchmal muss man doch zur Arbeit.
  • Man kann im Schnee Linien malen.
  • Keine Fliegen im Mund (danke @ruhrmad)
  • Endlich kann man mal richtig Dampf ablassen.
  • Man muss keine Scheiben frei kratzen.
  • Fahrradsucht (danke @velospinner)
  • Man merkt, ob man noch was spürt.
  • Im Sommer kann jeder.
  • Sonst denken die Autos, sie hätten gewonnen.

Und wichtige Gründe vergessen?

Fast schade, dass der Winter nun vorbei ist ….

Zum Glück gibt es genug Gründe für Radfahren im Frühling …,

und im Sommer …

und im Herbst. …

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BLECH zu kaufen

„Der tägliche Kampf zwischen Radlern und Autofahrern wird härter“ schrieb letzte Woche noch DER SPIEGEL in seiner Titelgeschichte. Dabei wird munter in alle Richtungen rumgewatscht und auf aggressive Radfahrer, gestrige Autofahrer und Stadtplaner gleichermaßen eingedroschen.

Diese Woche ist noch IAA in Frankfurt, auf der man von neuen Absatzrekorden schwärmt – und an die Folgen für Mensch und Umwelt eher weniger denken mag.

Aber diese Woche ist auch European Mobility Week mit dem heutigen Autofreien Tag als Höhepunkt. Wie nicht mitbekommen? Tja, auch gar nicht so einfach, denn die Anzahl der teilnehmenden deutschen Städte ist überschaubar und die Anzahl der Aktionen pro Stadt ebenso.

Deswegen jetzt mal ACHTUNG:

Passend zum Spiegel-Artikel, zum IAA-Finale und zur European Mobility Week ist BLECH ab sofort erhältlich.

In BLECH geht es um nichts weniger als Mord, verbotene Liebe, skurrile Typen, den Untergang der Welt, Fahrrädern und der Deutschen (noch)  liebstes Kind, das Auto.

BLECH präsentiert den Wahnsinn auf unseren Straße und die Schizophrenie in unseren Köpfen in einer wilden Mischung: fesselnd, humorvoll, ökokorrekt.

JETZT KAUFEN!

BLECH von Bert van Radau

Roman, 186 Seiten

ISBN: 978-3-86991-367-4

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Wann kommt der Fahrrad Blockbuster?

Auch schon gehört? Die Raser-Saga „Fast and Furious“ lässt in diesem Frühsommer im Kino alle Konkurrenzfilme hinter sich, egal ob in Deutschland oder USA.

Vielleicht sogar gesehen?

Ich nicht, aber ich denke, ich kann mir den Film ganz gut vorstellen: getunte Karren, coole Machos, heiße Verfolgungsjagden, geile Chicks mit wenig Textil, lockere Sprüche, spektakuläre Crashs. Halt das Richtige, um das Gehirn ohne besondere Anstrengung gut durchzulüften. Halt genauso wie die 4 (!) Vorgänger dieser Reihe wahrscheinlich auch.

Herzlichen Glückwunsch: Gehirn durchlüften finde ich vollkommen okay, hat jeder mal nötig. Aber warum immer mit dem falschen Mist?

Warum gibt es nur „gute“, na sagen wir lieber unterhaltsame, spannende, lustige Filme, in denen Autos die „Mit-Helden“ sind. Jedem von uns fallen, denke ich, sofort mindestens ein halb Dutzend Filme ein, in denen Autos oder Motorräder toll, geil, witzig, fesselnd oder sexy präsentiert werden oder sogar die Hauptrolle spielen und das seit Jahrzehnten: „Herbie“, „Easy Rider“, „Auf dem Highway ist die Hölle los“, „Blues Brothers“, „Cars“, „Christine“, „Tage des Donners“, „Nur noch 60 Sekunden“, „Ronin“, „Transporter“, „Taxi“, „Manta Manta“ (tja, gehört ja auch irgendwie da rein), „Gran Torino“, „Mad Max“, „Thelma und Louise“, „Bad Boys“, „Fast and Furious“ und viele, viele mehr. Ich muss bekennen, dass sogar ich davon eine ganze Reihe gesehen habe und ganz okay fand, wenn auch nicht unbedingt wegen der Wagen.

Warum gibt es keine guten Filme, in denen Fahrräder eine Hauptrolle spielen und witzig, fesselnd oder sexy sind oder vielleicht auch einfach anspruchsvoll und gut? Mir fällt da wenig ein.

Da gibt es die Sch’tis, wo der französische Postbote zumindest viel Fahrrad fährt, den „Flying Scotsman“, einen Film über einen arbeitslosen Schotten, der den Stundenrekord aufstellt, oder „Immer diese Radfahrer“ mit Heinz Ehrhard (für die Jüngeren: das war ein dicklicher, deutscher, spießig wirkender Komiker mit wenig Haar, über den die Deutschen gerne lachten)

Insgesamt wenig und das was da ist, zeigt zwar irgendwie sympathische, aber doch recht seltsame Charaktere, die man eher belustigt anschaut denn als wirkliche Helden erlebt. Eine Ausnahme konnte da vielleicht die „Höllentour“ über Aldags und Zabels Tourerlebnisse darstellen, bis die Doping-Seuche und die zweifelhaften Reaktionen der Fahrer die „Große Schleife“ hierzulande erledigte.

Da ist was zu tun! Da muss dringend was gemacht werden!

Her mit den spannenden oder lustigen oder nachdenklichen oder alles verbindenden Filmen über Fahrräder und Fahrradfahrer, über Radler oder Beißer. Radfahren gehört ins Leben, auf die Straße, ins Kino, in die Köpfe.

Ich habe meinen Teil erledigt und „Blech“ geschrieben (Guckstdu „Blech“). Wenn ich und ihr Glück habt, erscheint es  noch in diesem Jahr. (Ihr könnt euch ja einfach mal bei mir melden, wenn ihr etwas Druck machen wollt. Kann man natürlich auch verfilmen 😉

Ach ja, und falls ich wirklich die guten Fahrradfilme übersehen haben sollte, bitte ich natürlich auch um Aufklärung. Ich bin gespannt.

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Auf die Beißer-Tour!

Allem Anfang liegt ein Zauber inne. (Hermann Hesse)

Gut, dann wollen wir mal sehen, ob der Zauber funktioniert.

Eigentlich wissen wir es ja alle, so kann es nicht weitergehen. Wir leben über unsere Verhältnisse und die unserer Erde. Aber wir tun mal so, als geht uns das nichts an.

Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimaforschung und Klimaberater der Bundesregierung, beschreibt im FAZ.NET vom 3.5. sehr schön, wie er den Zuhörer in seinen Vorträgen unser meist gedankenloses Verhalten vorführt. Er macht ein kleines Frage-Antwort-Spiel.

1. Glauben Sie, dass es Ihnen heut besser geht als damals Ihren Großeltern? Ein Wald von Armen reckt sich hoch.

2. Glauben Sie, dass es Ihren Enkeln künftig besser gehen wird als Ihnen jetzt? Fast alle Arme bleiben unten.

3. Finden Sie das in Ordnung? Schweigen, vereinzelte Lacher …

Natürlich wissen wir, dass irgendwas falsch läuft, und wir wissen auch, dass wir Teil des Problems sind.

Wir müssen uns, wir müssen unser Verhalten ändern.

Aber wo anfangen?

Ich lade ein auf die Beißer-Tour.

Beißer verzichten (möglichst oft) auf Auto und Flugzeug und bewegen sich stattdessen zu Fuß oder mit dem Rad oder sonst wie durch eigene Muskelkraft.

Wenn Winfried Kretschmann, erster grüner Ministerpräsident in Baden-Württemberg, sagt: „Weniger Autos sind natürlich besser als mehr“, hat er natürlich recht, auch wenn manche das nicht wahr haben wollen.

Warum Beißer?  – abgleitet von Bicycle, schön bissig im Klang, schließlich müssen wir uns gegen Autos und unseren Schweinehund durchsetzen, und nicht zu verwechseln mit Bikern.

In diesem Blog soll nun regelmäßig von meiner Beißer-Tour und meinen Versuchen, andere für das Beißer-Prinzip zu begeistern, berichtet werden.

Auf der Seite „Beißer-Prinzip“ ist der „Imperativ für Bewegung“ noch einmal genauer beschrieben.

Auf der Seite „Blech“ findet sich ein Versuch, sich dem Thema „Beißer“ fiktional zu nähern.

Auf der Seite „Bert van Radau“ stelle ich mich noch mal kurz vor.

Und natürlich freue mich auch, wenn viele zukünftige Beißer diesem Blog und meinen Tweeds folgen.

Euer BertvanRadau

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