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Unanständiges Fortbewegungsverhalten wird in unserer Gesellschaft belohnt und damit verstärkt

Menschliches Verhalten ist wie das Verhalten von allen Lebewesen sehr stark durch Belohnungsmechanismen bestimmt: Bekomme ich etwas Positives für mein Verhalten, werde ich es eher noch einmal machen, als wenn ich nichts dafür bekomme.

Da gibt es zunächst einen ganz archaischen Verstärker für unanständiges Verhalten. Mit dem Auto  komme ich ohne großen Kraftaufwand irgendwo hin. Das mag für unsere heutige modernen Körper irrelevant erscheinen, schließlich haben wir genug Körperfett, um jederzeit locker einen Marathon zu schaffen, doch unsere alten Gehirnstrukturen finden es erst mal super, nichts zu investieren. Die Belohnung, die ich vielleicht empfinde, wenn ich von der Arbeit mit dem Fahrrad nach Hause gefahren bin, ist vielleicht von höherem Wert, aber das interessiert diesen Teil des Steinzeitgehirns erst mal weniger.

Eine weitere Belohnung für unanständige Bewegung im Auto gibt es von unserem inneren Schweinehund. Komm ins Auto winselt er, hier ist es schön warm, es ist nicht nass und bequemer ist es sowieso.

Eine weitere ganz wichtige Belohung für unanständiges Verhalten ist dann aber auch noch sozial geprägt. In unserer modernen Gesellschaft gilt Auto fahren als wichtig, als lebenstüchtig, als toll, in den richtigen Autos sowieso. Wer einen BMW oder Mercedes oder Porsche fährt, ist etwas, ebenso wie jemand, der es sich leisten kann mal eben für ein Wochenende nach Mallorca oder in die Karibik zu fliegen.

Die gesellschaftliche Anerkennung eines Fahrradpendlers zur Arbeit ist demgegenüber jedoch meist eher verhalten und er pendelt in der Wahrnehmung irgendwo zwischen (weltfremder) Idealist und Spinner. Er erhält somit alles andere als eine soziale Belohnung.

Stattdessen wird der Fahrradpendler unablässig bestraft – durch holprige Fahrradwege,  unnötige Umwege der Fahrradstreifen, Druckampeln … – und durch Autopanzer bedroht.

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