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Velohelden braucht das Land!

Der Mensch sucht Vorbilder. Dies gilt für alle Ebenen des menschlichen Lebens und damit natürlich auch für die Mobilität.

Schauen wir uns die Vorbilder der Mobilität an, so zeigt sich in Deutschland leider ein erschreckendes Bild.

Wenn wir an menschliche Vorbilder für Auto-Mobilität denken, fallen uns allen wahrscheinlich Michael Schumacher und Sebastian Vettel ein, deren Sport darin besteht, möglichst schnell unter extremer Benzinverschwendung und Lärmemission um Kurven zu fahren. Dieser sogenannte Formel1-Zirkus erfreut sich in Deutschland extremer Popularität, die Renn-Übertragungen sind Straßenfeger und die Nachberichterstattung in Print und Online ist massiv. Schumacher und Vettel sind zweifelsohne Helden in Deutschland und genießen hohes Ansehen auch über den reinen Sportaspekt hinaus.

Aber auch von vielen anderen Promis wissen wir, dass sie ihrer Autoleidenschaft frönen – Christiano Ronaldo, der allerdings seinen Ferrari etwas unsachgerecht zerlegte, Smudo, der sich nun für umweltfreundliche (!?) Autorennen einsetzt, ein Robbie Williams, der zwar gar keinen Führerschein besitzt, dafür aber mehrere Luxusautos, Franjo Pooth, der mit einem Hummer in die Pleite  schwamm, Michael Wendler, der sich gerne mit teuren Autos zeigt, Leonardo diCaprio, der stolzer erster Besitzer des 408 Elektro-PS starken Fisker Karma ist , ein Hybrid-Plug-In, der nur 2,4 l auf 100 Kilometer verbrauchen soll  u.v.v.m.

Für das Radfahren fällt uns demgegenüber weniger ein.  Vor ein paar Jahren wären viele vielleicht noch auf Jan Ullrich und Erik Zabel gekommen, doch mit ihrer Nähe zum Doping-Sumpf haben sie sicherlich auch dem Radfahren als Sportart geschadet und damit dem Ansehen des Fahrrads insgesamt. Dass Radfahrer auch noch Betrüger sein sollen, passt doch prima in die häufig anzutreffende Meinung, dass viele Radfahrer sowieso nur Rowdies sind, die die Verkehrsregeln missachten und über rote Ampeln und Bürgersteige fahren.

Fast schon verzweifelt versucht man das Image des Fahrrads als Fortbewegungsmittel zu heben, indem z.B. die Fahrradfreundlichste Persönlichkeit des Jahres gekürt wird. Dies war in den zurückliegenden Jahren Jürgen Trittin oder Klaus Töpfer und ist aktuell Wolke Hegenbarth, doch verbindet man eine dieser Persönlichkeiten wirklich mit Fahrrad fahren? Und selbst wenn, habt ihr vorher schon einmal von diesem Titel gehört? In Spiegel, Focus, Stern, FitforFun oder MensHealth, Brigitte, Vanity Fair oder Playboy, Bild, FAZ oder taz war davon, soweit ich weiß, nichts zu lesen.  Der Titel „Fahrradfreundlichste Persönlichkeit“ scheint noch 5 Stufen unter dem Titel „Krawattenmann des Jahres“ zu rangieren.  (Na, wer ist das aktuell? Claus Kleber! Stimmt der trägt Krawatte! Fährt er auch Fahrrad? Man weiß es nicht.)

Fahrrad fahren ist immer noch in der Nische und knabbert an einem mäßigen Renomée. (Auch wenn gut meinende Berichte manchmal einen anderen Eindruck erwecken wollen.)

Kannst du dich an Werbung für Fahrradmarken erinnern, welche Fahrradmarken kennst du, mit denen man wirklich ein konkretes Image verbindet?

Automarken stehen ganz anders da. Schaut man sich ein Champions League-Spiel an, wird man mit Autowerbung zugedröhnt. Für jede Automarke –  sei es Mercedes, BMW, Audi, VW bis zu Opel, Ford, Toyota, Skoda und Citroen, Peugeot, Renault, Nissan, Suzuki, Porsche, Smart, Lada, Volvo, Saab, Ferrari, Fiat – können wir recht konkret das Image beschreiben, haben eine Vorstellung davon wie die Käufer der jeweiligen Marken aussehen.

Bei Fahrrädern dürfte es der Mehrheit schwer fallen überhaupt 5 Marken zu nennen, von einem konkreten Image ganz zu schweigen. Will man TV-Werbung für Fahrräder sehen, muss man lange suchen bzw. auf die Tour de France-Übetragung auf Eurosport warten.

Was ich sagen will, Autos sind Teil unseres Lebens und unseres Selbstverständnisses, wir definieren uns über die Autos, die wir fahren und die wir uns leisten können.

Fahrräder sind demgegenüber für viele kaum mehr als ein Freizeitgerät, das im Alltag nur von einer Minderheit benutzt wird. Wenn man das ändern will, muss man das Image des Fahrrads und des Fahrradfahrens ändern. Anständige Bewegung muss positiv aufgeladen werden, muss cool werden!

Velohelden braucht das Land. Typen, mit denen sich viele identifizieren können, die dem Fahrradfahren im Alltag ein Gesicht geben! Promis, die lieber auf einem Rennrad oder Mountainbike sitzen als in einem Tourenwagen über den Nürburgring zu brettern.

Und das Land braucht coole Fahrradmarken!

Fahrradmarken mit Seele, mit Tradition, mit Leidenschaft, mit Sex-Appeal, mit Charakter – und nicht nur für einen kleinen Kreis von Insidern.

Was sind für euch die attraktivsten, die geilsten, coolsten, hippsten Fahrradmarken? Und welches Image verbindet ihr damit?

Und kennt ihr prominente Typen, dir ihr als begeisterte Fahrradfahrer kennt?

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