Archiv der Kategorie: Beißer-Tour

Radeln im Winter

Radfahren im Winter ist für viele Leute unvorstellbar. Schließlich denken sie bei Radler auch eher an Sommer, an Hitze, an einen kühlen erfrischendens Limo-Bier-Mix. Radler und Winter passt nicht richtig. Beißer und Winter schon eher.

Dabei kann man Radfahren auch im Winter genießen – ja und damit meine ich den wirklichen Winter, den wir hatten – mit minus 20 Grad und zugefrorenen Seen und eisigem Wind und Schnee und allem, was den Winter zum Winter macht…

Alles eine Frage der Einstellung. Es zählt ja „nur in deinem Kopf“. Okay, die schmerzenden, kalt gefrorenen Hände können einen schon einmal daran erinnern, dass der Mensch mehr als nur sein Hirn ist …. oder einfach daran, beim Radfahren die Handschuhe anzuziehen.

Aber es gibt verdammt gute Gründe für Radfahren im Winter:

  • Schneeflocken mit dem Mund fangen
  • Endlich kann man mal übers Wasser abkürzen
  • Dampfende Lokomotive spielen
  • Arktische Grenzerfahrungen ohne Reise zum Nordpol genießen
  • Man muss nicht warten, bis die Heizung warm wird.
  • Ein Beißer muss tun, was ein Beißer tun muss.
  • Endlich macht es mal Sinn, die Handschuhe anzuziehen.
  • Man kann zur Seite schneuzen, ohne andere Buspendler oder Fahrradfahrer zu treffen.
  • Manchmal muss man doch zur Arbeit.
  • Man kann im Schnee Linien malen.
  • Keine Fliegen im Mund (danke @ruhrmad)
  • Endlich kann man mal richtig Dampf ablassen.
  • Man muss keine Scheiben frei kratzen.
  • Fahrradsucht (danke @velospinner)
  • Man merkt, ob man noch was spürt.
  • Im Sommer kann jeder.
  • Sonst denken die Autos, sie hätten gewonnen.

Und wichtige Gründe vergessen?

Fast schade, dass der Winter nun vorbei ist ….

Zum Glück gibt es genug Gründe für Radfahren im Frühling …,

und im Sommer …

und im Herbst. …

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Beste Beißer-Tweets 2011

Das Jahr ist (so gut wie) vorbei.  Zeit der Rückblicke. Die 10 schönsten Momente, die 10 peinlichsten Plagiate, die 10 witzigsten Werbeversprecher, die 10 nervigsten Nachrichten, die 10 assigsten Autos …

Da darf diese 10er Liste natürlich nicht fehlen.

Meine besten Beißer-Tweets 2011:

10. Das Schild „Radfahrer absteigen“ ist ja wohl eine offene Kriegserklärung.

9. Radfahren ist Meditation in Bewegung. Ich mach Meditationswochenende.

8. Beißer heißen Beißer, weil man Blechen manchmal die Zähne zeigen muss.

7. Radfahren ist wie passiv rauchen. Euer Autofahren gefährdet meine Gesundheit. Wie wär’s mitVerbot?

6. Beißer haben keinen Gegenwind. Sie trainieren mit Widerstand.

5. Falls ihr gestern nach der Fahrradtour gekotzt habt, lag das nicht am Fahrrad. Ich könnt es ruhig noch mal probieren. #vatertag

4. Autos werden immer dicker. Ich sage: Macht euch dünne.

3. Ich schwing mich jetzt auf das überlegene Fortbewegungsmittel. Und ab nach Hause. #fahrrad

2. Beißer schauen lieber auf Autos herab, als dass sie drunter liegen.

1. Na, wieder falsch bewegt? Nein ich mein nicht „Dein Rücken“, ich mein „Dein Auto“.

Na, was meint ihr? Gute Auswahl? Richtige Reihenfolge? Einen vergessen? Habt ihr noch einen?

Neue bissige Beißer-Tweets von mir gibt es in 2012.

Be wiser! Be Beißer!

Der Mensch ist ein Herdentier und wir sind eine Autoherde.

In den letzten Jahren rückt die soziale Komponente als wesentlicher Einflussfaktor für menschliches Verhalten verstärkt in den Vordergrund der Verhaltensforschung. Auch im sogenannten Westen, der im Vergleich zum Fernen Osten traditional durch eine sehr stark individualpsychologische Sicht geprägt ist, setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir in einem sozialen Kontext agieren und wesentlich durch das Verhalten unserer Mitmenschen geprägt sind. Wir machen mit, wir ahmen nach, wir schwimmen mit, wir kupfern ab.

Das zeigt sich sehr prägnant im konkreten Verhalten in der Gruppe: Nehmen wir das Phänomen LaOla –Welle, in der begeistert ein ganzes Stadion in Wellen aufspringt. Dann sitzen zu bleiben, will man nicht, aber wäre durch den sozialen Druck auch häufig gar nicht möglich, will man nicht als absoluter Außenseiter dasitzen.

Das zeigt sich aber im übrigen Verhalten, auch losgelöst von der Gruppensituation, z.B. wenn wir uns die Gestaltung von Reihenvorgärten betrachten, in der es – bis auf wenige Ausnahmen – meist allgemein gültige Gestaltungsmerkmale in einem bestimmten Viertel gibt.

In diesem sozialen Kontext ist der Mensch ein Autotier. Ganze Vororte setzen sich morgens ins Auto, um damit – meist alleine – zur Arbeitsstätte zu pendeln. Es ist normal, es ist akzeptiert. Gründe nicht ins Auto zu steigen, sind häufig monetär bedingt und damit als Motiv abgewertet – „Kann es sich nicht leisten“.

Der Autofahrer ist in der Mitte der Gesellschaft, da wollen wir alle hin, wir wollen kuscheln, wir wollen uns austauschen, wir wollen dabei sein. Hat der Autofahrer dann noch ein tolles, teures, nobles Auto steigt er in der sozialen Hierarchie nach oben, noch besser.

Der Nur-Radfahrer steht demgegenüber am Rande der Gesellschaft, nicht vollkommen geächtet, aber auch nicht für voll genommen. Oder vielleicht sogar Rad-Rowdy.

Das muss sich ändern! Der Radfahrer muss (in der Stadt, im Dorft) der sozial akzeptierte Normalfall werden – charmant, hipp, schnell, flexibel, unkompliziert, zukunftsorientiert, geliebt, akzeptiert – mit Platz, auf direkten  Strecken.

Veloruzzer auf die Straße!

Und Kinder! Und Pendler! Und Einkäufer! Und Anzugträger! Und die Hippen! Und die,  die sich dafür halten! Und Politiker! Und die, die sich dafür halten!

BLECH zu kaufen

„Der tägliche Kampf zwischen Radlern und Autofahrern wird härter“ schrieb letzte Woche noch DER SPIEGEL in seiner Titelgeschichte. Dabei wird munter in alle Richtungen rumgewatscht und auf aggressive Radfahrer, gestrige Autofahrer und Stadtplaner gleichermaßen eingedroschen.

Diese Woche ist noch IAA in Frankfurt, auf der man von neuen Absatzrekorden schwärmt – und an die Folgen für Mensch und Umwelt eher weniger denken mag.

Aber diese Woche ist auch European Mobility Week mit dem heutigen Autofreien Tag als Höhepunkt. Wie nicht mitbekommen? Tja, auch gar nicht so einfach, denn die Anzahl der teilnehmenden deutschen Städte ist überschaubar und die Anzahl der Aktionen pro Stadt ebenso.

Deswegen jetzt mal ACHTUNG:

Passend zum Spiegel-Artikel, zum IAA-Finale und zur European Mobility Week ist BLECH ab sofort erhältlich.

In BLECH geht es um nichts weniger als Mord, verbotene Liebe, skurrile Typen, den Untergang der Welt, Fahrrädern und der Deutschen (noch)  liebstes Kind, das Auto.

BLECH präsentiert den Wahnsinn auf unseren Straße und die Schizophrenie in unseren Köpfen in einer wilden Mischung: fesselnd, humorvoll, ökokorrekt.

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BLECH von Bert van Radau

Roman, 186 Seiten

ISBN: 978-3-86991-367-4

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Die bösen D’s der passiven Bewegung

Autofahren ist bezüglich der Folgen ähnlich  wie Fernsehen, vor allem, aber nicht nur als Beifahrer.

Also: Unanständige Bewegung, die wir im Folgenden der Einfachheit halber einfach mal mit Autofahren gleichsetzen, macht dick, dumm und dösig.

Fangen wir von hinten an: Autofahren macht dösig.

Um zu  sehen, dass das stimmt, muss man sich nur Babies und Kleinkinder im Auto anschauen. Viele Eltern haben die beeindruckende Erfahrung gemacht, dass man ein Baby stundenlang durch die Gegend tragen, das gesamte Schlafliedrepertoire rauf unter runter gesungen haben kann, ohne dass das süße Kleine einschläft. Dock kaum hat man es in den Kindersitz verfrachtet und den Motor gestartet, kann man so gut wie sicher sein, dass das Purzelchen einschläft. Die Tatsache, dass manche Eltern ihre Babies zum Einschlafen mit dem Auto um den Block fahren, wird nur in vertrautem Freundeskreis gestanden.

Und auch für den Fahrer selbst ist eine monotone Autobahnfahrt sicherlich alles andere als vitalisierend. Nicht umsonst wurde ja der Attention Assist erfunden.

Autofahren macht dumm:

Zum Erlernen des Autofahrens ist sicherlich noch eine gewisse Grundintelligenz nötig, eventuell werden sogar neue Gehirnleistungen erlernt, wie z.B. Erkenntnisse über die Rangordnung im Straßenverkehr. Wie überlebenswichtig dieses Wissen über Hierarchien auf der Autobahn ist, wird uns im Alltag oft gar nicht mehr bewusst. Wenn wir auf der linken Spur fahrend einen Porsche, Ferrari oder BWM im Rückspiegel erkennen, gehen wir instinktiv rüber auf die rechte Spur. Für Touristen, die das erste Mal in Deutschland sind, sieht das anders aus. Auf Autobahnparkplätzen kann man immer wieder Schweiß gebadete Ausländer sehen, die beim ersten Trip auf Deutschlands Autobahnen der grenzenlosen Geschwindigkeit diese Hierarchien im Crashkurs lernen müssen.

Doch sehr bald ist Autofahren generell doch eine eher langweilige Gehirnroutine, die einen so wenig fordert, dass man nach einer stundenlangen Fahrt über die Autobahn überhaupt nicht mehr weiß, was man die letzten 5 Stunden getan hat.

Die Mehrheit der Autofahrer hört während der Fahrt Radio, und man kann wohl kaum behaupten, dass man durch das Hören der „besten Hits der 80er, 90er und von heute“ intelligenter würde. Klar, könnte man auch die Sprachprogramme der Öffentlich-Rechtlichen Sender hören, aber das macht ja wohl nur eine Minderheit. Es ist es halt ähnlich wie mit dem Fernsehen. Das Fernsehen könnte den Menschen intelligenter machen, doch der Mensch entscheidet sich lieber dafür sich verblöden zu lassen.

Ein weiterer Punkt, der zur Verdummung der Autofahrer beiträgt, ist der technische Fortschritt. Man denke nur an Einparkhilfen oder Navigationsgeräte: Vor ihrer Erfindung wurden bei der Routensuche gerade Geschlechterdefizite aufgearbeitet. Während Frauen lernten sich zu orientieren, wurden Männer ermuntert mit Fremden zu sprechen, männlichen Eigensinn zu überwinden und nach Hilfe zu fragen. Und wenn Mann und Frau  als Paar zusammen unterwegs waren, konnten sie bei der Routendiskussion direkt ihre Paar-Interaktion optimieren.

Autofahren macht dick.

Nein, natürlich nicht zwangsläufig, aber doch leicht erkennbar. Auf einer Stundenfahrt auf der Autobahn werden etwa 100 Kilometer zurückgelegt. Dabei verbrennt der Körper etwa 40 Kcal.

Hätte der Mensch die 100 Kilometer sportlich Rad fahrend zurückgelegt, kann man von einem Kalorienverbrauch von ca. 4000 Kcal ausgehen (in 3-6 Stunden).

Hätte der Mensch die 100 Kilometer laufend zurückgelegt, kann man von einem Kalorienverbrauch von ca. 8000 Kcal ausgehen (in ca. 8-12 Stunden).

Ich denke, jeder von uns hat eine klare Vorstellung davon, wie der Mensch, der die Autofahrt präferiert, im Vergleich zum Radfahrer oder Läufer aussieht, der die gleiche Strecke zurücklegt.

Ich weiß, was du jetzt sagen willst: wer läuft denn schon mal eben 100 Kilometer bzw. fährt 100 Kilometer Fahrrad? Ich sag: warum eigentlich nicht? Eigentlich ist der Mensch – mehr oder weniger – dafür gemacht. Einen Steinzeitjäger mit 30 kg Übergewicht kann ich mir da wesentlich schlechter vorstellen.

So das waren meine bösen D’s der passiven Bewegung. Welche bösen D’s oder G’s oder was auch immer fallen euch noch ein?

Auf die Beißer-Tour!

Allem Anfang liegt ein Zauber inne. (Hermann Hesse)

Gut, dann wollen wir mal sehen, ob der Zauber funktioniert.

Eigentlich wissen wir es ja alle, so kann es nicht weitergehen. Wir leben über unsere Verhältnisse und die unserer Erde. Aber wir tun mal so, als geht uns das nichts an.

Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimaforschung und Klimaberater der Bundesregierung, beschreibt im FAZ.NET vom 3.5. sehr schön, wie er den Zuhörer in seinen Vorträgen unser meist gedankenloses Verhalten vorführt. Er macht ein kleines Frage-Antwort-Spiel.

1. Glauben Sie, dass es Ihnen heut besser geht als damals Ihren Großeltern? Ein Wald von Armen reckt sich hoch.

2. Glauben Sie, dass es Ihren Enkeln künftig besser gehen wird als Ihnen jetzt? Fast alle Arme bleiben unten.

3. Finden Sie das in Ordnung? Schweigen, vereinzelte Lacher …

Natürlich wissen wir, dass irgendwas falsch läuft, und wir wissen auch, dass wir Teil des Problems sind.

Wir müssen uns, wir müssen unser Verhalten ändern.

Aber wo anfangen?

Ich lade ein auf die Beißer-Tour.

Beißer verzichten (möglichst oft) auf Auto und Flugzeug und bewegen sich stattdessen zu Fuß oder mit dem Rad oder sonst wie durch eigene Muskelkraft.

Wenn Winfried Kretschmann, erster grüner Ministerpräsident in Baden-Württemberg, sagt: „Weniger Autos sind natürlich besser als mehr“, hat er natürlich recht, auch wenn manche das nicht wahr haben wollen.

Warum Beißer?  – abgleitet von Bicycle, schön bissig im Klang, schließlich müssen wir uns gegen Autos und unseren Schweinehund durchsetzen, und nicht zu verwechseln mit Bikern.

In diesem Blog soll nun regelmäßig von meiner Beißer-Tour und meinen Versuchen, andere für das Beißer-Prinzip zu begeistern, berichtet werden.

Auf der Seite „Beißer-Prinzip“ ist der „Imperativ für Bewegung“ noch einmal genauer beschrieben.

Auf der Seite „Blech“ findet sich ein Versuch, sich dem Thema „Beißer“ fiktional zu nähern.

Auf der Seite „Bert van Radau“ stelle ich mich noch mal kurz vor.

Und natürlich freue mich auch, wenn viele zukünftige Beißer diesem Blog und meinen Tweeds folgen.

Euer BertvanRadau

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