Der Mensch ist ein Herdentier und wir sind eine Autoherde.

In den letzten Jahren rückt die soziale Komponente als wesentlicher Einflussfaktor für menschliches Verhalten verstärkt in den Vordergrund der Verhaltensforschung. Auch im sogenannten Westen, der im Vergleich zum Fernen Osten traditional durch eine sehr stark individualpsychologische Sicht geprägt ist, setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir in einem sozialen Kontext agieren und wesentlich durch das Verhalten unserer Mitmenschen geprägt sind. Wir machen mit, wir ahmen nach, wir schwimmen mit, wir kupfern ab.

Das zeigt sich sehr prägnant im konkreten Verhalten in der Gruppe: Nehmen wir das Phänomen LaOla –Welle, in der begeistert ein ganzes Stadion in Wellen aufspringt. Dann sitzen zu bleiben, will man nicht, aber wäre durch den sozialen Druck auch häufig gar nicht möglich, will man nicht als absoluter Außenseiter dasitzen.

Das zeigt sich aber im übrigen Verhalten, auch losgelöst von der Gruppensituation, z.B. wenn wir uns die Gestaltung von Reihenvorgärten betrachten, in der es – bis auf wenige Ausnahmen – meist allgemein gültige Gestaltungsmerkmale in einem bestimmten Viertel gibt.

In diesem sozialen Kontext ist der Mensch ein Autotier. Ganze Vororte setzen sich morgens ins Auto, um damit – meist alleine – zur Arbeitsstätte zu pendeln. Es ist normal, es ist akzeptiert. Gründe nicht ins Auto zu steigen, sind häufig monetär bedingt und damit als Motiv abgewertet – „Kann es sich nicht leisten“.

Der Autofahrer ist in der Mitte der Gesellschaft, da wollen wir alle hin, wir wollen kuscheln, wir wollen uns austauschen, wir wollen dabei sein. Hat der Autofahrer dann noch ein tolles, teures, nobles Auto steigt er in der sozialen Hierarchie nach oben, noch besser.

Der Nur-Radfahrer steht demgegenüber am Rande der Gesellschaft, nicht vollkommen geächtet, aber auch nicht für voll genommen. Oder vielleicht sogar Rad-Rowdy.

Das muss sich ändern! Der Radfahrer muss (in der Stadt, im Dorft) der sozial akzeptierte Normalfall werden – charmant, hipp, schnell, flexibel, unkompliziert, zukunftsorientiert, geliebt, akzeptiert – mit Platz, auf direkten  Strecken.

Veloruzzer auf die Straße!

Und Kinder! Und Pendler! Und Einkäufer! Und Anzugträger! Und die Hippen! Und die,  die sich dafür halten! Und Politiker! Und die, die sich dafür halten!

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